Das Wien Museum am Karlsplatz wird zu einem zukunftsweisenden Stadtmuseum ausgebaut.

 


1959 eröffnete das „Historische Museum der Stadt Wien“, entworfen von Oswald Haerdtl, einem Schüler und Büropartner von Josef Hoffmann.

 

Das Gebäude war der erste und lange Zeit einzige Kulturneubau der Nachkriegszeit in Wien. Schon zur Eröffnung wurde jedoch dessen Raumknappheit bemängelt – ein Thema, das seitdem stets präsent blieb. So musste man etwa für Großausstellungen immer wieder ins benachbarte Künstlerhaus ausweichen.

Die erfolgreiche Neupositionierung als „Wien Museum“ unter der Direktion von Wolfgang Kos ab 2003 schaffte das öffentliche Bewusstsein dafür, dass der bestehende, dringend sanierungsbedürftige Bau seine räumlichen Kapazitäten längst überschritten hat. Seit 2009 wurde über einen möglichen Neubau an anderer Stelle nachgedacht, das Hauptbahnhof-Areal war lange Zeit im Gespräch. Die Entscheidung, das Wien Museum am Karlsplatz durch einen Neubau zu erweitern, fiel 2013.


DAS SIEGERPROJEKT © David Bohmann / PID


Ein internationaler Architekturwettbewerb brachte 2015 die Entscheidung für den Projektvorschlag von Certov, Winkler+Ruck Architekten. Die Qualität des Entwurfes fasste die Jury folgendermaßen zusammen: „Der Entwurf von Certov, Winkler + Ruck Architekten hat das große Potential, durch feinfühlige Detaillösungen eine insgesamt selbstbewusste Haltung für das Wien Museum am Karlsplatz zu schaffen. Ein klassisch moderner Pavillon mit geschlossener Fassade soll auf das Dach des in anderer Form klassisch modernen Haerdtl-Pavillons gesetzt werden. Nach Einschätzung des Preisgerichts ist die Proportionierung gelungen gelöst und schafft ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bestand und Neubau. Eine besondere Rolle spielt dabei der Raum zwischen dem Altbau und dem darüber liegenden Neubau. Dieser Zwischenraum soll als transparente Fuge inszeniert werden. Diese symbolische und gestalterische Geste ist die große kompositorische Qualität des Beitrags.“



Mit der Realisierung steht dem Museum in Zukunft eine Nettonutzfläche von rund 12.000 m2 zur Verfügung (bislang: 6900 m2). Im Zuge der Detailplanung wurden die räumliche Nutzungen bereits im Wesentlichen festgelegt: Im Altbestand werden die erweiterte Dauerausstellung und die Büroflächen untergebracht, der überwölbte Baukörper bietet ausreichend Platz und Flexibilität für Wechselausstellungen. Das zwischengelagerte transparente Fugengeschoß soll für Veranstaltungen, einen frei zugänglichen öffentlichen Raum mit Blick über den Karlsplatz und Vermittlungsaktivitäten für Schulklassen und andere Besuchergruppen genutzt werden. Im Erdgeschoß lädt zukünftig ein Museumscafé mit Zugang vom und auf den Karlsplatz zum Verweilen ein. Eine zusätzliche unterirdische Erweiterung beherbergt Depotflächen und Technikräume. Mit dem neugestalteten Vorplatz wird sich das Museum zum Karlsplatz hin öffnen und ein urbaner Raum mit ganz neuer Aufenthaltsqualität entstehen.