Christina Schwarz, Finanzdirektorin

August 2020

Matti Bunzl und Du seid die BauherrInnen von Wien Museum Neu. Was sind die Aufgaben einer Bauherrin?

Ja, es heißt tatsächlich Bauherrin und nicht Baufrau. Irgendwie witzig. Also, nachdem wir es geschafft haben, mit der Stadt Wien eine erfolgreiche Finanzierung für das Projekt zu generieren, ging es darum, eine starke Organisationstruktur aufzusetzen. Unsere größte Aufgabe ist es ja, dafür zu sorgen, dass alle Teams und Beteiligten möglichst gut zusammenarbeiten. Möglichst gut zusammenpassen. Dass alle den Spirit des Projekts spüren und leben wollen. Das war auch der Gedanke bei der Suche unserer Partner. Für die Projektsteuerung und Projektleitung haben wir mit der Firma baucontrol, die ich schon aus früheren Bauprojekten kannte, einen tollen Wurf gemacht. Wie auch mit der örtlichen Bauaufsicht, den iC-Consulenten. Beide ganz maßgebliche, hochmotivierte Partner, die das Projekt Wien Museum Neu lieben.

 

 

Wie würdest Du Eure Zusammenarbeit beschreiben?

Du musst als Bauherrin Teil des Ganzen, immer präsent sein. Ich verwende gerne diese Metapher: Du musst allen Beteiligten auf der Schulter sitzen, selbst, wenn Du nicht anwesend bist, musst Du spürbar sein. Es darf nichts geschehen, ohne dass Du informiert bist. Es darf nichts am Bauherrn vorbei getan werden. Dann wird es ein erfolgreiches Projekt.

Du bist aber auch die Bauherrin der neuen Dauerausstellung?

Ganz genau. Das Projekt teilt sich in sogenannte Errichtungskosten und Einmalkosten. Die Errichtungskosten betreffen den Hoch- und den Tiefbau, also die Sanierung des Altbestandes und den zweigeschossigen Neubau. Unter die Einmalkosten fallen zum Beispiel die Planung und Gestaltung  der neuen Dauerausstellung. Ich steuere und kontrolliere den gesamten Verlauf des Projektes in finanzieller Hinsicht, gemeinsam mit Heribert Fruhauf. Er macht das phantastisch, aber die Endverantwortung liegt natürlich bei der Direktion.

Gibt es zwischen Dir und Matti Bunzl klare Trennlinien?

De facto nicht. Am Papier ist er der künstlerische Leiter und ich die kaufmännische Leiterin, aber wir leben das Vieraugenprinzip wirklich 100-prozentig, in jeder Hinsicht. Selbstverständlich hat jeder eine Expertise in seinem Bereich, nicht jeder ist bei jeder Sitzung dabei. Aber tatsächlich sprechen wir alles ab, denken gemeinsam alles durch. Auch weil der Blick von außen gar nie schlecht ist. So werden alle großen Entscheidungen immer gemeinsam getroffen und gemeinsam nach außen getragen.

Bist Du bei jeder Bausitzung dabei?

Bis jetzt ja. Mit dem Start des Generalunternehmers gibt es nun eine neue Sitzungsstruktur. Es gibt dann sehr viele Sitzungskreise, an denen ich nicht teilnehmen muss, einfach weil es um rein operative Fragen der Baustellenabwicklung geht. Aber Du weißt ja, ich sitze immer auf ihrer Schulter…

Nachdem der Generalunternehmer nach einem fast einjährigen Vergabeverfahren feststeht und der Bau beginnt, was sind nun die nächsten Schritte?

Jetzt geht es um das Zusammenwachsen mit dem Generalunternehmer, der ARGE Porr Bau GmbH, Ortner Ges.m.b.H und Elin GmbH. Auch hier bedarf es eines sehr klaren und zugleich umsichtigen Zugangs. Damit wirklich alle verstehen, dass wir gemeinsam in einem Boot sitzen. Nur so kann die Übung gelingen. Zusammenwachsen als Team.

Das Wien Museum ist nicht Dein erstes Bauprojekt?

Nein, ich bin im Krankenhausbau sozusagen groß geworden. Habe die Privatklinik Döbling von Grund auf mit umgebaut. Auch hier gab es eine Sanierung des Altbestands und die Errichtung eines neuen Nebengebäudes. Noch dazu bei laufendem Krankenhausbetrieb, was eine große Herausforderung war. In einem anderen Krankenhaus haben wir eine Tiefgarage gebaut, auch sehr spannend. Ich dachte immer, Krankenhäuser seien extrem schwierig. Aber Museen sind doch noch um einiges komplexer.

Was macht den Museumsbau denn so komplex?

Mehrere Punkte. Weil es ein öffentliches Bauprojekt ist. Das Ganze steht sehr in der Auslage und wird mit Argusaugen beobachtet. Das erhöht natürlich den Druck. Dann seine technische Komplexität. Die Architekten haben eine wunderbare Lösung gefunden, das Haus zu vergrößern, ohne den Haerdtl-Bestandsbau zu demolieren und ohne ihn in den Hintergrund zu rücken. Mit zwei frei darüber schwebenden Stockwerken, die den Altbau nicht belasten. Und wir haben budgetäre Herausforderungen. Das Budget wurde 2018 freigegeben und war schon damals nicht gerade überdotiert. Von Corona ganz zu schweigen. Budgettreue bei ursprünglich geplanter Qualität, das bleibt spannend. Und dann gibt es natürlich die menschliche Herausforderung. Das Team muss perfekt zusammenarbeiten. Es sind nicht immer alle auf demselben Informationsstand. Es sind nicht immer alle auf demselben Gemütsstand. Und: Wir bauen das neue Haus für das kulturelle Erbe der Stadt Wien. Das muss auch ein adäquates und ein ansehnliches Umfeld finden. Die Herausforderung ist hier auch, eine wirklich zeitgemäße neue Dauerausstellung zu bauen.

Gibt es einen Raum im neuen Museum, auf den Du Dich besonders freust?

Worauf ich mich am allermeisten freue, weil es uns auch sehr vom Ist-Stand unterscheidet, ist das sogenannte Fugengeschoss. Dieser lichtdurchflutete öffentliche Raum, wo wir wirklich Platz haben für Veranstaltungen, für Ateliers für Kinder und Erwachsene. Wo es auch freie Zonen geben wird, einfach nur zum Abhängen. Die Menschen können auf die Terrasse, ohne ein Museumsticket lösen zu müssen. Ich finde das unglaublich wichtig. Und dann natürlich auf die neue Dauerausstellung. Die wird großartig. Hier bin ich, wie alle eigentlich, neugierig, wie die Halle mit den teilweise absurd großen Objekten funktioniert. Und darauf, dass wir wieder alle zusammen im Museum sein werden.

Wie teilen sich denn die nicht-öffentlichen Räume auf?

Die Restaurierungswerkstätten zum Beispiel sind im obersten Stockwerk, die Büros ziehen sich dann an der Rückwand des Gebäudes herunter, im Keller gibt es Technik- und Depotflächen für verschiedene Abteilungen. Und auch ein schöner Studienraum  wird unten sein, wo sich Menschen, die wissenschaftliches Interesse an Wien haben, Pläne oder Dokumente aus dem Grafikbestand vorlegen lassen können.

Was sind abseits des Umbaus sonst die großen Themen, die Dich als Finanzdirektorin beschäftigen?

Dieses Haus weiter erfolgreich zu führen. Vor dem Hintergrund, dass es seit über einem Jahrzehnt keine Valorisierung mehr erhalten hat. Das heißt, dass wir die gesetzlich vorgeschriebene Indexanpassung der Löhne und die steigenden Sachkosten immer aus dem unveränderten Budget zahlen müssen, was dazu führt, dass das Budget real immer kleiner wird. Das ist eine sehr große Herausforderung, hier die Qualität und unsere musealen Ansprüche aufrecht zu halten. Und trotzdem finanziell gute Ergebnisse abzuliefern. Die letzte drei Jahre waren alle höchst erfolgreich, das heurige Jahr wird Corona bedingt etwas anders, aber ich glaube nicht minder erfolgreich werden. Die eigentliche Herausforderung ist es aber, dieses doch sehr diverse Haus zu führen und zusammenzuhalten. Auch mit Wien Museum Neu auf neue Wege zu führen. Veränderungen sind für Menschen manchmal auch schwierig oder verwirrend. Dies begleiten zu können ist mir eine große Freude.

 


Christina Schwarz, geboren 1971 in Wien; Studium der Handelswissenschaften an der WU Wien und CEMS-Master an der École des Hautes Études Commerciales in Paris. Sechs Jahre beim Printhersteller Xerox Austria in verschiedenen Positionen mit Schwerpunkt Finance, Sales und Marketing, danach acht Jahre Verantwortung als Prokuristin und Finanzdirektorin beim größten Xerox-Vertriebspartner. Von 2010 bis 2015 Verwaltungsdirektorin der Privatklinik Döbling und zuletzt kaufmännische Geschäftsführerin der Rudolfinerhaus Privatklinik GmbH. Seit 2016 Finanzdirektorin des Wien Museums. Mit Direktor Matti Bunzl ist Christina Schwarz die Bauherrin von Wien Museum Neu.